Ein Buch, das mein Leben verändert hat

Grain Brain. The Surprising Truth About Wheat, Carbs, and Sugar – Your Brain’s Silent Killers“ ist der Originaltitel des Buches, das auf dem deutschen Markt „Dumm wie Brot“ heißt. Wobei ich den Titel nicht so gelungen finde – es ist nach meinem Empfinden eine etwas zu banale Wahl, die ans Ordinäre grenzt und damit die Seriosität des Autors Dr. David Perlmutter untergräbt. Worum es mir aber geht: Es gibt kein anderes Buch, das mein Leben so nachhaltig zum Besseren verändert hat. 

Angefangen hat alles im Sommer 2015, in München nach dem Hitzesommer 2003 der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und genau so fühlte es sich in meiner kleinen Altbauwohnung inmitten von Beton auch an. Gut, wahrscheinlich war es nicht ganz der Anfang, der datiert mindestens auf 1998, als ich begann, Kalorientabellen zu studieren und mich ernsthaft mit den Bausteinen meiner Nahrung auseinanderzusetzen, aber für dieses Thema ist es 2015. Es war also unerträglich heiß, ich konnte nirgends hin, um der Hitze zu entfliehen und fühlte mich permanent so müde und abgeschlagen, als hätte mir jemand einen Vorschlaghammer auf den Kopf gedonnert – ein Gefühl, dass mich mal mehr mal weniger plagte und mindestens seit der Pubertät begleitet hatte (da habe ich es zum ersten Mal bewusst wahrgenommen).

Da ich mich also schon länger mit dem Effekt der Ernährung auf den Körper und das Wohlbefinden auseinandersetzte, beschloss ich, ein Experiment zu machen. Ich strich überwiegend Kohlenhydrate enthaltende Lebensmittel von meinem Speiseplan, denn bekanntlich machen die ja besonders müde. In meinem Fall handelte es sich vor allem um Brot, Gebäck und Kuchen, Pasta sowie Kartoffeln. Und siehe da: Ich fühlte mich so wach wie nie zuvor. Kein Witz.

Der Sommer war trotzdem noch anstrengend, aber ich kam wesentlich besser durch den Alltag, weil ich einfach nicht mehr diese bleierne Müdigkeit in meinem Kopf ertragen musste. Doch wie alle Sommer ging auch dieser irgendwann zu Ende und meine neuen Ernährungsgewohnheiten blieben mehr oder weniger auf der Strecke. Bis zum Frühling 2016, als ich auf dem Schreibtisch einer Kollegin „Dumm wie Brot“ liegen sah.

Um es kurz zu machen, der Autor Dr. David Perlmutter ist Neurologe sowie Facharzt für Ernährungsmedizin (laut Bucheinband der deutschen Erstausgabe von 2014 „der einzige Arzt in den USA mit dieser Doppelqualifikation“) legt anhand von Studien und seinen Erfahrungen mit eigenen Patient/innen überzeugend dar, wie negativ sich Gluten auf das Gehirn auswirkt (auch auf andere Körperbereiche, aber das war für mich nicht relevant) und diverse Krankheiten und Störungsbilder von ADHS über Depression bis Alzheimer begünstigen kann.

Bisher wurde Glutenunverträglichkeit bei uns mit Zöliakie gleichgesetzt, bei der es überwiegend um Entzündungen im Darm geht. Doch mittlerweile kommen wohl auch die weiter reichenden Auswirkungen von Gluten auf den Körper zunehmend ins Gespräch, wie dieser Artikel von 2018 aus der Ärzte Zeitung zeigt.

Was mich betrifft, so überzeugt mich immer das am meisten, was ich in meinen eigenen Erfahrungen an meinem eigenen Körper feststellen kann. Und das ist ganz klar: Gluten bekommt mir nicht. Seitdem ich meine Ernährung auf glutenarm umgestellt habe (ich esse keinen Weizen mehr, aber z.B. manchmal Roggenbrot aus Sauerteig, da Roggen von Natur aus viel weniger Gluten hat als Weizen und Gluten während der Fermentation ab- und umgebaut wird), hatte ich nie wieder Probleme mit zäher Müdigkeit, bei der sich mein Gehirn wie benebelt anfühlt. Wenn ich allerdings mal an einem Abend beim Italiener über die Stränge schlage und einen Teller Pasta esse, fühlt es sich am nächsten Tag an, als hätte ich einen Kater (wobei ich vielleicht erwähnen sollte, dass ich keinen Alkohol trinke).

Perlmutters empfohlene, extrem kohlenhydratarme Ernährungsweise funktioniert für mich zwar nicht, da ich kein Fleisch und mittlerweile zum größten Teil vegan esse. Aber ich habe von ihm auch gelernt, dass es meinem Körper sehr gut bekommt, einen größeren Anteil der Energie aus (gesunden) Fetten zu erhalten, als ich ihm viele Jahre zugestanden habe. Auch Obst sieht Perlmutter aufgrund des enthaltenen Fruchtzuckers sehr kritisch, was ich absolut bestätigen kann. Ein unausgewogener Blutzuckerspiegel und Heißhungerattacken waren jahrelang ein so großes Problem für mich, dass ich regelmäßig nachts aufstehen und essen musste. Seitdem ich viel weniger Zucker und Getreideprodukte konsumiere, hat sich auch das gelegt. Dafür schütte ich heute Leinöl in meinen Porridge und esse Nussmus löffelweise aus dem Glas. Von irgendwas muss frau ja schließlich satt werden.

Mein Fazit: Ich kann es nur empfehlen, mit der eigenen Ernährung zu experimentieren, erst recht bei ernsthaften Beeinträchtigungen und Krankheiten, die über Brain Fog hinausgehen. Wir sind so weit von einer ganzheitlichen Behandlungsweise über unser Gesundheitssystem entfernt, dass hier jede/r in der Eigenverantwortung steht.

Ein tolles Vorbild ist zum Beispiel Deliciously Ella, deren vegane und glutenfreie Rezepte ich nach meinem Aha-Erlebnis mit Dr. Perlmutter für mich entdeckte. Ella schaffte es nach Ausbruch einer seltenen Krankheit namens posturales Tachykariesyndrom, die das autonome Nervensystem lahmlegt (hallo – Nerven, Gehirn!), nur durch die Ernährungsumstellung alle Medikamente abzusetzen und komplett symptomfrei zu werden.

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